Die Geschichte unserer Kirche

Unter der 2.a-Klasse einer Schule verstehen wir eigentlich die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Lehrperson. Weil diese aber in einem bestimmten Raum des Schulgebäudes zum Unterricht zusammenkommen, nennt man auch diesen Raum „2.a-Klasse". Genauso ist mit der Kirche. Unter „Kirche" verstehen wir die Menschen, die getauft sind und an Christus glauben. Doch das Haus, in dem sie ihren Glauben feiern, nennen wir auch Kirche.

 

Einleitung

 

kirche alt neu

leonhardkirche vom lkh

Wenn Sie unsere Pfarrkirche St. Leonhard betreten, erinnern Sie sich an Ihre Taufe mit Wasser. Sie nehmen Weihwasser und machen das Kreuz. Sie wurden auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Beim Haupteingang der Kirche steht auch der Beichtstuhl. In der Beichte kann man sein Leben als Getaufter erneuern. Die St.Leonhard-Kirche setzt sich aus einem „alten" (gotischen) und einem „neuen " Teil zusammen. Kirche ist in allen Zeiten lebendig.

Sie gibt den Menschen die Richtung an. Die Kirche ist nach Osten gerichtet, zur aufgehenden Sonne, zum auferstandenen Christus. Beim Eingang begrüßen die beiden Kirchenpatrone die Eintretenden: die Gottesmutter Maria (sie war die erste Patronin) und Leonhard. Beide zeigen, wie wir Menschen als Christen leben können. Auch der Mensch in seinen Sorgen und Nöten kann Christus entgegengehen. Die 14 Stationen des Kreuzweges Jesu begleiten ihn. In der rechten, barocken Seitenkapellefeiern wir heute die Taufen, flankiert von den heiligen Elternpaaren Joachim und Anna bzw. Zacharias und Elisabeth. In die linke Seitenkapelle, die alte Sakristei, kommen viele Menschen, um still zu beten und für ihre Lieben (die vielleicht gerade im nahegelegenen Krankenhaus sind) ein Licht anzuzünden.

In der Kirchenmitte finden wir wieder Maria und Leonhard, den Befreier der Gefangenen und Beschützer der Tiere.

Dann weitet sich der Raum hin zur großen Einladung Jesu.

Wie wir daheim einen Schreibtisch und einen Gemeinschaftstisch zum Essen haben, hat die Kirche mit dem Ambo den „Tisch des Wortes" und mit dem Altar den „Tisch des Brotes". Hier versammeln wir uns beim gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der uns für das Leben stärkt und uns seinen Auftrag gibt. Im Tabernakel bleibt er immer Brot für unser Leben. Und das alte Hochaltarbild über dem Priestersitz zeigt wieder Maria, aber auch Leonhard im Kreis einiger Apostel. In der Kirche werden wir zu Aposteln, zu Freunden und Boten von Jesus in unserer konkreten Welt.

Herbert Meßner  

 

 

 

Geschichte

GESCHICHTE

Der Bezirk St. Leonhard

Die Geschichte des einstigen Vorortes und heutigen zweiten Stadtbezirkes St. Leonhard und seiner Pfarrkirche ist eng mit der Entwicklung der Stadt Graz verknüpft. Erste römerzeitliche Siedlungsspuren sind für das l. Jahr­hundert n. Chr. nachzuweisen, wobei geschlossene Siedlungsgebiete vermutlich im heutigen Herz-Jesu-Viertel und in St. Leonhard bestanden. Von dieser Besiedelung zeugt das bemerkenswerte, ehemals in die Außenwand der St.-Leonhard-Kirche eingelassene Grabdenkmal des L. Cantius Secundus (um 100 n. Chr.; jetzt im Lapidarium des Landesmuseums Joanneum, Graz, im Park des Schlosses Eggenberg). Der um die Kirche gelegene Ortskern von St. Leonhard geht vermutlich auf den seit dem beginnenden 11. Jahrhundert bestehenden Besitz des Heunburger Markgraten an der Sann. Günther. zurück der vor l 137 starb. Dieses nach dein Besitzer als "Guntarn" bezeichnete Wirtschaftszentrum bestand aus einem Meierhof, einer dazugehörigen Eigenkirche. einer Mühle, einer Schmiede und einer Taverne, dem heutigen "Schanzlwirt" (diese Meinung vertritt Fritz Posch,. während Gerald Gänser die Lage des Gutshofes "Guntarn" in unmittelbarer Nahe der Leechkirche festlegt). Im Jahr 1185 gelang­ten die Besitzungen an das Stift Voran, das es 1306 im Tauschwege an die Grazer Kommende des Deutschen Ritterordens übergab. Die weitere Siedlungsentwicklung erfolgte an der alten Straße nach Ödenburg/Sopron und Raab/Györ. die vom rechten Murufer ausgehend entlang der heutigen Leonhardstraße führte. In St. Leonhard teilte sich dieser Handelsweg in die Wegführungen durch Ragnitz nach Hönigtal, über die Ries. die unter Maria Theresia zur ..Reichsstraße" wurde, sowie durch das Stiftingtal weiter nach Raab.

Der heutige Bezirk St. Leonhard entwickelte sich zwischen den beiden mittelalterlichen Siedlungszentren "Guntarn" und dem sudöstlich vor der Stadtmauer liegenden "Grillbühel" (im Bereich der heutigen Technischen Universität). Wahrend der Türkenkriege (1519 und 1532) wurde St. Leonhard verwüstet und war auch Kampfplatz in den Franzosenkriegen (1809). An seinem vorstädtischen Dorfcharakter hat sich bis Anfang des 19. Jahrhunderts nichts geändert, erst im Laufe dieses Jahrhunderts sollte es zur "Nobelvorstadt" werden. Eine rege Bautätigkeit setzte ein: Erzherzog Johann ließ 1841-1843 nach Plänen von Georg Haubensser d. A. das Palais Meran (heute Universität für Musik und darstellende Kunst) erbauen. Johann Christoph Kees 1843-1845 vom selben Architekten sein Palais am Glacis, 1840-1842 entstand die "k. k. Reitschule" (Reiterkaserne). Entlang der 1841 angelegten "Pittoni-Straße" (heute Elisabethstraße) entstanden bemerkenswerte Adelspalais. Die rasche Bevölkerungszunahme machte auch eine Verbesserung der Infrastruktur erforderlich. Kirchen, Schulen und Krankenhäuser wurden errichtet:

1823-1824 die evangelische Heilandskirche.
1846 Kloster und Schule der "Frauen vom heiligsten Herzen Jesu" ("Dames du Sacre Coeur").
1869 Realgymnasium in der Lichtenfelsgasse.
1876 Elisabethschule.
um 1900 Konvent der Ursulinen mit Schule.
1885-1888 nach Plänen von Johann Wist auf dem Areal des ehemaligen Mandell'schen Gartens die "k. k. Technische Hochschule" (heute Technische Universität).
1881-1891 nach Plänen von Georg Hauberisser die Herz-Jesu-Kirche.
1885 das Odilien-Blindeninstitut.
Mit dem ausgedehnten Komplex des in den Jahren 1904-1912 erbauten Landeskrankenhauses wurde schließlich ein städtebaulich dominanter Akzent gesetzt.

Die Baugeschichte der Pfarrkirche St. Leonhard Der Kult des aus einem vornehmen fränkischen Geschlecht stammenden hl.Leonhard (gestorben angeblich um 595), der seine Erziehung und Taufe durch Bischof Remigius von Reims erhalten hat,. ein Hofamt ablehnt und ein Leben als Einsiedler und Missionar beginnt und schließlich Abt (?) des von ihm gegründeten Klosters in Noblac bei Limoges wird, als Patron der Haustiere, insbesondere der Pferde, der Fuhrleute, der Landwirtschaft und der Gefangenen verehrt wird. kam gegen Ende des 11. Jahrhunderts von Frankreich nach Deutschland und Österreich. Die St.-Leonhard-Kirche in Graz war vor allem in den Jahren großer Tierseuchen (1705-1711 und 1755) das Ziel bäuerlicher Wallfahrten. Für die Wahl des Patroziniums, das auch für den einstigen Grazer Vorort namensgebend wurde, spricht u. a. die Tatsache, dass die Leonhardkirche in unmittelbarer Nähe ehemals für den Handel wichtiger und daher von Pferdefuhrwerken stark frequentierter Straßenführungen gelegen ist.

Die im Westen und Norden von einer Kirchhofmauer eingefasste Leonhardkirche bildet wie keine andere Kirche in Graz zusammen mit den Gebäuden des Pfarrhofs, des "Seydler-Hauses" (ehem. Mesner- und Schulhaus), des Pfarrzentrums (ehem. Wirtschaftsgebäude) und mit dem angrenzenden Friedhofsareal ein charakteristisches städtebauliches Ensemble.

Pfarr- und Kirchengelände

1. Romanischer Vorgängerbau

Der Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche war eine zum Meierhof „Guntam" gehörende, vermutlich bereits in der Mitte des 12. Jahrhunderts errichtete Eigenkirche (Posch), die urkundlich erstmals 1361 als „S. Lienhart" bezeichnet wurde.

2. Die spätgotische „Leonhardkapelle"
Dieser Sakralbau wurde 1433 durch einen Neubau ersetzt, der vom Salzburger Erzbischof Konrad Reysberger am 9. April desselben Jahres geweiht wurde. Aus der in einer späteren Abschrift erhaltenen Weiheurkunde geht hervor, dass die „Leonhardkapelle" drei Altäre besaß und dass in dem Maria und dem hl. Leonhard geweihten Hochaltar vom Vorgängerbau stammende Reliquien eingebracht wurden. Es ist zu vermuten, dass bereits die frühmittelalterliche Eigenkirche ein Marienpatrozinium hatte und die Weihe mit dem Doppelpatrozinium, das bis in das 18. Jahrhundert beibehalten wurde, erst im 14. Jahrhundert erfolgte. 1463 übergab Kaiser Friedrich III. die Kapelle den Franziskaner-Observanten, den reformierten „Minderbrüdern" (die Übergabe an die Franziskaner wird von Theodor Graff bestritten). Eine Urkunde von 1471 vermeldet, dass der Kaiser mit Erlaubnis des Papstes Pius II. in dieser Kapelle die Franziskaner eingeführt und das Kloster errichtet habe. Wegen der drohenden Türkengefahr verließen jedoch die Franziskaner schon um 1478 St.Leonhard und erbauten einen neuen Konvent am Tummelplatz (Areal Bürgergasse 13). Nunmehr erfolgte die Versorgung als „Ewiges Vikariat" durch die Grazer Stadtpfarre, 1495 wird Peter Hornberger als Pfarrer von St. Leonhard genannt. Während der Türkeneinfälle von 1480 und 1532 kam es auch zur Beschädigung der Kirche; nach der Wiederinstandsetzung fand 1535 eine Neuweihe statt.

3. Barocke Veränderungen

In den Jahren 1617 bis 1620 wurde der Kirchturm erhöht, der einen mächtigen Spitzhelm erhielt.
1660 wurde der St.-Margarethen-Altar geweiht,
1641 und 1691 sind Weihedaten für den Hochaltar überliefert.
1712 erfolgte der Anbau der Marienkapelle, zwei Jahre später wurde der Marienaltar aufgestellt, dessen von Johann Veit Hauckh 1714 gemaltes Altarblatt sich erhalten hat.
1715 lieferte Hauckh zwei Altarblätter für einen Vierzehn-Nothelfer-Altar, für die Marx Schokotnigg im selben Jahr die Bildhauerarbeiten schuf.
1746 erfolgte die Errichtung eines neuen Hochaltars, dessen skulpturale Ausstattung Philipp Jakob Sträub übertragen wurde.
1746-1747 wurde durch Johann Georg Stengg der Kirchturm neuerlich erhöht und erhielt seine heutige Zwiebelhaube.
1751 wurde eine neue Orgel, 1757 die Toranlage mit den Skulpturen der Apostelfürsten Petrus und Paulus,
um 1775 die Westfassade und gleichzeitig das Kirchenportal (dat. 1776) errichtet.

4. 19. und 20. Jahrhundert:  In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zur Regotisierung der Inneneinrichtung. Nach Entwürfen von August Ortwein wurden 1886 der Hochaltar, 1891 zwei Seitenaltäre und 1902 die Kanzel aufgestellt. Die Bildhauerarbeiten lieferte Jakob Gschiel, die Steinmetzarbeiten fertigte die Fa. Grein, Vergoldung und Fassung besorgte Wilhelm Sirach. Während bereits 1880 der Plan ventiliert wurde, die Kirche nach Osten und Süden zu vergrößern, wovon man allerdings Abstand nahm, als die Herz-Jesu-Kirche errichtet wurde, erfolgte auf Initiative des Pfarrers Leopold Haas in den Jahren 1959 bis 1962 nach Plänen von Karl Lebwohl ein Erweiterungsbau im Osten, indem bei weitgehender Erhaltung des spätgotischen Chorgewölbes der Chorscheitel geöffnet wurde (Weihe am 26. September 1962). Der neogotische Hochaltar wurde entfernt. 1995 erfolgte eine Gesamtrenovierung und Umgestaltung der Inneneinrichtung des Chor-Neubaus.  


der Bau

 

BAUBESCHREIBUNG

Bauanalyse

Allgemein wird die Leonhardkirche in das Jahr 1433 datiert und mit der um 1293 erbauten ehemaligen Deutschordenskirche (Leechkirche) in Graz in Verbindung gebracht. Der Befund lässt jedoch eine weitere, spätere Bauphase erkennen.

Die Affinität zur Leechkirche besteht im kapellenförmigen Grundriss (in St. Leonhard um ein Joch verlängert), in den mit Rundstäben gebündelten Wandvorlagen sowie in den mit Blattformen skulptierten, spulenförmigen Kapitellen mit polygonalen Deckplatten. Vermutlich ist das retrospektive Formenrepertoire auf Initiative des Deutschen Ritterordens erfolgt, der den in seiner Kommende entstandenen Kirchenbau von St. Leonhard nach dem architektonischen Konzept seines Ordensbaus orientiert sehen wollte. Entgegen der bisherigen Meinung lassen sich jedoch die Rippenfiguration mit sechszackigen Sternen und die Schlußstein-Scheitelringe des Emporengewölbes stilistisch und zeitlich nicht mit dem überlieferten Weihedatum von 1433 in Einklang bringen; dieses architektonische Repertoire entstammt dem Formenschatz des unter Kaiser Friedrich III. tätigen kaiserlichen Steinmetzen Peter Pusika (z. B. Torhalle, ab 1449, der Burg Friedrichs III. und St. Peter an der Sperr, 1456-1458, in Wiener Neustadt, Chor der Piaristenkirche in Krems, 1457) und dürfte daher auf die friedrizianische Bauhütte bzw. auf deren Werkleute zurückzuführen sein. Die spätere Einwölbung und der Emporeneinbau stehen vermutlich entweder in Verbindung mit der Übergabe der Kirche an die Franziskaner-Observanten im Jahr 1463 oder aber im Zusammenhang mit der Erhebung zur Pfarre, die um 1495 erfolgt ist. Für die letztere Annahme würde auch die Wiedergabe des Landeswappens an prominenter Stelle im Gewölbe des Chorscheitels sprechen, was eine Munifizenz (finanzielle Zuwendungen) der steirischen Landstände sichtbar machen sollte.

Der Außenbau

In der Außenerscheinung der St. Leonhardkirche dokumentiert sich deren wechselhafte Baugeschichte. Der spätgotische Sakralbau erhielt in der Barockzeit durch die Anbauten der Marienkapelle, der Westfassade und durch die Turmhelmgestaltung markante Akzente, bekam durch die Einfügung eines neogotischen Emporenportals an der Nordseite ein historistisches Bauelement und erfuhr im 20. Jahrhundert durch einen Erweiterungsanbau einen gegenwartsbezogenen architektonischen Kontrapunkt. Die zwischen barocker Fassadenfront und moderner Ostanlage eingespannte spätgotische Kirche ist durch zweifach abgetreppte, ursprünglich mit Kreuzblumen bekrönte Strebepfeiler rhythmisiert. An der Südseite und an der Nordost-Chorecke haben sich zweizeilige Spitzbogenfenster mit dekorativen Maßwerkformen (1878-1879 erneuert) erhalten; lediglich im vierten Joch ist ein Rundfenster (1995 freigelegt) eingelassen. Die Fensteröffnungen an der Nordseite wurden vermauert. Zwischen dem dritten und vierten Joch der Nordseite erhebt sich der sechsgeschossige Turm. Seine drei untersten, mit Kaffgesimsen und Fensterschlitzen strukturierten Geschosse gehören noch dem 15. Jahrhundert an. Die zwei folgenden, von denen das oberste mit gekuppelten Fenstern akzentuiert ist, wurden 1617-1620 aufgeführt, während das letzte Geschoss und der bemerkenswert gestaltete Turmhelm von Johann Georg Stengg (1689-1753) in den Jahren 1746-1747 errichtet wurden. Spätgotische Bausubstanz besitzt auch die an den Turm gefügte ehemalige Sakristei, die an ihrer Ostseite ein mit Kehlungen profiliertes Spitzbogentor aufweist. Ein hier anschließender Altbau wurde 1961-1962 entfernt. Das polygonale Treppentürmchen mit einer Spindeltreppe wurde 1894 errichtet.

Die als „Schauwand" konzipierte Westfassade entstand um 1775 vermutlich nach einem Entwurf von Johann Joseph Stengg (1722-1782), dem Sohn des Johann Georg Stengg. Als dominierende Gliederungselemente fungieren toskanische Kolossalpilaster, ein die Fassade abschließender Ziergiebel mit Dreieckbekrönung und mit einem nachträglich vermauerten „Bassgeigenfenster", ein bereits mit klassizistischem Ornamentdekor akzentuiertes Rundbogenfenster im Fassadenzentrum sowie das bemerkenswerte Eingangsportal.

Kompositionen ungewöhnlich ist das Fehlen einer Sockelgliederung, was jedoch durch die in der „Sockelzone" angebrachten Epitaphien erklärbar ist. Das lt. Datierung 1776 verfertigte und mit korinthischen Säulen instrumentierte Portal weist eine auf den Kirchenpatron bezogene bildhauerische Ausstattung auf, die Veit Königer (1729-1792) zugeschrieben wird. Die in Mönchskutte mit Abtsstab dargestellte Statue des hl. Leonhard zeigt den Heiligen sowohl als Patron der Haustiere als auch als Nothelfer von Gefangenen. Der zum Portal gehörende, mit Eisenblech beschlagene und mit geschmiedetem Rosettendekor und Rocaillebeschlägen dekorierte Türflügel ist um 1776 zu datieren.

Westportal

Die 1712 über einem elliptischen Grundriss errichtete und an das dritte Joch der Sudseite gefügte Marienkapelle (heute Taufkapelle), die ehemals eine 1887 entfernte Laterne aufwies, besitzt eine toskanische Pilastergliederung sowie „geehrte" Rechteckfenster mit spätbarocken, schmiedeeisernen Vergitterungen. Ein schmiedeeiserner Türflügel mit um 1775 zu datierenden Beschlagen schließt das rechteckige Steintor. Das 1928 enthüllte Kriegerdenkmal erinnert an das k. u. k. 5. Dragoner-Regiment. Der Portalvorbau mit dem maßwerkverzierten neogotischen Spitzbogentor des an der Nordwestecke angebauten spätgotischen Emporenaufgangs - im Inneren mit Spindeltreppe und Sterngewölbe - entstand 1896. Der nach Plänen des Grazer Architekten Karl Lebwohl 1961-1962 ausgeführte oktogonale Erweiterungsbau schließt den Kirchenbau markant nach Osten ab. Den gerade vortretenden Chorraum akzentuiert eine in die Mauer vertiefte Kreuzform, wahrend die Seitenwände durch die wechselnde Abfolge der schmalen Betonfensteröffnungen rhythmisiert werden. Das Nord-Eingangstor weist an den mit Kupferblechen verkleideten Türflügeln Da­stellungen der Zwölf Apostel (1962) von Josef Papst in Treibarbeit auf. Mehrere Grabdenkmäler bereichern die Außenerscheinung des Kirchenbaus: Besonders bemerkenswert ist das rechts neben dem Westportal befindliche Epitaph des 1723 verstorbenen Pfarrers, Apostolischen Protonotars und gräflichen Palatins Johannes Adam Holzmon, das mit den Insignien der päpstlichen Auszeichnung (Prälatenhut mit Quasten) und mit Vanitassymbolen (Totenkopf und Sanduhr) stukkiert und lt. Inschrift 1734 vom Steinmetz Mathias Piecker verfertigt worden ist. Weiters sind zu nennen die an der Westfassade eingemauerten Epitaphien des Grazer Goldschmieds Hans Christoph Freydenstein (+ 1673) und des Pfarrers Aloysius Borzaga (+ 1781) sowie an der Südseite die Grabdenkmaler für den Hofkammerrat und Münzmeister Andreas Edler von Kainbach (+ 1652) mit seinem reliefierten Wappen sowie für die in St. Leonhard tätigen Pfarrer Johannes Kirchschlager (+ 1691) und Rudolf Hasert + 1902). An der Nordseite befinden sich die Epitaphien für Johann Georg Schikh (+ 1684) und für den St. Lambrechter Abt Berthold Sternegger (+ 1793).

Der Innenraum

Den spätgotischen Kirchenraum betritt man durch das Westportal. Das einschiffige, kapellenartige Langhaus weist vier Joche auf und war ehemals mit einem aus fünf Seiten eines Achtecks bestehenden Chorpolygon geschlossen. Im Zusammenhang mit dem Erweiterungsanbau wurde das Chorpolygon geöffnet, wobei die mittlere Achse entfernt und die beiden Chorschrägen gerade gestellt wurden. Das Gewölbe ist mit einer jochverschleifenden Rippenfiguration aus „Sechsecksternen" strukturiert, als Auflagen für die Rippen fungieren gebündelte, von Konsolen gestützte Absenker. Lediglich im Chorscheitel reichen die Gewölbedienste bis zum Boden, wodurch der Chorraum besonders akzentuiert wird. Aus statischen Gründen wurden diese Dienste 1961-1962 mit Betonstützen hinterfangen. Die Gewölbeschlusssteine, Kapitelle und Konsolen sind skulptiert und weisen z. T. programmatische Darstellungen auf. Die am Hauptknotenpunkt der Gewölberippen befindlichen Schlusssteine zeigen von West nach Ost: eine Blattrosette, Blattwerk (sog. Buckellaub), das Lamm Gottes (Symbol für den Opfertod Christi), den seine Jungen mit dem Herzblut nährenden Pelikan (eine dem „Physiologus", einer frühmittelalterlichen Schrift entnommene Darstellung, die ebenfalls als Symbol für den Opfertod Christi gilt) sowie ein Wappenschild mit dem steirischen Panther. Die Kapitelle und Konsolen zeigen fast durchwegs skulptierte Laubwerkdarstellungen. Lediglich an dem Kapitell über der ehemaligen Sakristei befindet sich die Wiedergabe zweier sich verbeißender Drachen, die das bezwungene Böse symbolisieren. Die dreiachsige, einjochige Westempore auf Runddiensten öffnet sich zum Langhaus mit mehrfach gekehlten Spitzbogenarkaden. Architektonisch bemerkenswert sind die als Scheitelringe ausgeführten Gewölbeschlusssteine. Während die Konsolen der Rippenansätze an der Westwand abgeschlagen wurden, weisen jene am Jochübergang skulptierte Schilder auf, die vermutlich heraldisch bemalt waren. Die geschwungene spätbarocke Emporenbrüstung mit appliziertem Omament-Schnitzwerk ist um 1753 entstanden. Weitere spätgotische Bauelemente sind eine kleine Dreipass-Nische (Piscine) für das Abstellen von liturgischem Gerät im Süd-Chorjoch und anschließend eine spitzbogige Sessionsnische, deren Sitzbank entfernt wurde, sowie an der gegenüberliegenden Nordseite ein vermauertes Rechteck-Steintor als ehem. Zugang in die kreuzrippengewölbte Turmhalle.

ChorBlick zur Westempore

Als Eingang in die „Andachtskapelle" dient ein neogotisches Schulterbogen-Steintor (1877) mit darüber befindlicher repräsentativer neogotischer Oratoriums-Empore aus Sandstein, vermutlich nach einem Entwurf von August Ortwein.  

 

 

Einrichtung

EINRICHTUNG

Von der ehemaligen Einrichtung aus der Barockzeit und der Neogotik haben sich im Langhaus nur mehr einzelne Ausstattungsobjekte erhalten, während die Taufkapelle(ehemals Marienkapelle) eine einheitliche barocke Ausstattung aufweist.

Langhaus

Aus der Barockzeit stammt das an der südlichen Langhauswand befindliche, signierte und datierte ursprüngliche Altarbild des Marienaltars mit der Darstellung der „ Verkündigung an Maria ", das der Grazer Hofkammermaler Johann Veit Hauckh (1663-1746) im Jahr 1714 gemalt hat. Reste der barocken Ausstattung sind weiters das spätbarocke Gestühl (um 1770) sowie das Epitaph des Generaleinnehmers, Amtsverwalters und Buchhalters Michael Römich von Weissenföls (+ 1689). Von den drei im Eingangsbereich befindlichen Opferstöcken stammt einer mit eisernem Verschluss vermutlich vom Anfang des 16. Jahrhunderts, die beiden anderen aus dem 3. Viertel des 18. Jahrhunderts. Die vierzehn Kreuzwegbilder malte 1844 Karl Dietrich. Die im alten Chorbereich eingelassenen, polychrom gefassten Sandsteinreliefs, „Der hl. Leonhard als Patron der Tiere" und „Der hl. Leonhard als Nothelfer der Gefangenen", gehörten ursprünglich wie die im Emporenjoch aufgestellten skulptierten Figuren der thronenden Maria mit dem Jesuskind und des hl. Leonhard dem 1885-1886 von Jakob Gschiel (1821-1908) verfertigten bildhauerischen Ensemble des neogotischen Hochaltars an.

leonhard tiere

"Der hl. Leonhard als Patron der Tiere"

Gschiel schnitzte vermutlich auch die Skulpturen der Maria Immaculata und des hl. Josef, die ursprünglich einem der neogotischen Seitenaltäre angehört haben dürften. Den an der Nordwand angebrachten überlebensgroßen Corpus des „Missionskreuzes" schnitzte 1976 der Bildhauer Walter Pisk. Auch die von der Grazer Glasmalereifirma Ferdinand Koller hergestellten Glasfenster sind im Zuge der „Gotisierung" in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und 1910 entstanden: im Chor „Schmerzensmann" / „Hl. Rupert" (1865), der Gründer der Diözese Salzburg, „Hl. Augustinus" / „Hl. Franz von Sales" (1879) sowie im Westfenster Marienikone mit Stifterwappen (1910). Gleichzeitig zu datieren sind die von Konrad Hopferwieser  gefertigte Orgel mit neogotischem Gehäuse (1909-1910) und das Gemälde „Die hl. Anna lehrt Maria das Lesen", die sich auf der Westempore befinden.

Taufkapelle (ehemals Marienkapelle)

Die über ovalem Grundriss 1712 erbaute Marienkapelle hat ihre spätbarocke Ausstattung bewahrt. Der Innenraum wird akzentuiert durch die künstlerisch qualitätsvolle, um 1715 entstandene Gewölbestuckatur in Laub- und Bandlwerkornamentik mit Engelsputtenköpfen und Vögeln, die dem Grazer Stuckateur Peter Zaar (seit 1706 in Graz tätig und hier 1726 verstorben) zugeschrieben wird.

Die Freskomalerei im Zentrum der Kuppel (Maria Immaculata als Fürbitterin der Menschen und ihre Verherrlichung durch Heilige, von denen aufgrund ihrer Attribute die Apostelfürsten Petrus und Paulus, Antonius von Padua, Josef, Franziskus und Matthias erkennbar sind) und in den Gewölbefeldem (jeweils ein Evangelist und ein Kirchenvater paarweise auf Wolken thronend: Johannes und Papst Gregor, Matthäus und Ambrosius, Lukas und Hieronymus sowie Markus und Augustinus) sind der Werkstatt des Matthias von Görz(um 1670/1672-1731) zuzuweisen, wurden aber von dem 1877 in Gemona geborenen und in Voitsberg ansässigen Maler Felix Barazutti um 1900 teilweise übermalt. Ursprünglich war auch der Kapelleneingang freskiert (1995 wurden Reste einer Nischenfigur des hl. Johannes von Nepomuk freigelegt).

NepomukHl. Johannes von Nepomuk

Der in der Längsachse postierte, marmoriert gefasste Marienaltar wurde 1713-1714 errichtet. Seine architektonische Konzeption mit gewendelten Säulen und die bildhauerische Ausstattung stammt vom Grazer Bildhauer Marx Schokotnigg (1661-1731). Die Altarskulpturen stellen die hll. Joachim und Anna sowie Elisabeth und Zacharias dar. Das ursprüngliche, thematisch zugehörige Altargemälde „Verkündigung an Maria" (1714) von Johann Veit Hauckh, der auch das gleichzeitig entstandene Oberbild „Auferstandener Christus" gemalt hat, wurde um 1775 entfernt (heute im Langhaus) und durch eine von joseph Adam Ritter von Molk (1714-1794) gemalte „Apotheose des hl. Florian", des Patrons gegen Feuer- und Wassergefahr, ersetzt. Die Ausstattung umfasst weiters das Epitaph für den Pfarrer Andreas Stanislaus Brictius (+ 1750), ein spätbarockes Marmor-Taufbecken sowie neogotische Butzenscheiben. Die an der Nordseite der Kirche angebaute, stichkappengewölbte ehemalige Sakristei wurde 1995 zu einer „Andachtskapelle" adaptiert. Von der Ausstattung sind ein spätbarocker Kruzifixus (1. Hälfte 18. Jh.), ein korbförmiger Empire-Glasluster (um 1800), ein Maria-Immaculata-Gemälde (um 1850) sowie die Schnitzfiguren des Apostels Judas Thaddäus (Jakob Gschiel?) und der Gottesmutter von Fatima (20. Jh.) anzuführen.

ansicht 8Blick in den Chorraum

Neuer Chorraum (Erweiterungsbau) Der in den Jahren 1961-1962 errichtete oktogonale Erweiterungsbau ist ein Betonskelettbau mit rasterartig strukturierten, von Antikbuntglas durchlichteten Seitenwänden. Das zeltförmig sich verjüngende Dach, das im Scheitelpunkt der Betonrippen eine aus Kupfer getriebene, schlusssteinartige Rosette aufweist, ist mit Holz ausgekleidet. Die ehemalige Empore an der Ostwand wurde 1966 entfernt. Das an der Chorwand angebrachte, Johann Veit Hauckh zugeschriebene Gemälde (1715) mit den Darstellungen der im Himmel thronenden Maria mit dem Jesuskind sowie den hll. Leonhard, Johannes Ev., Thomas, Jakobus d. Ä. und Andreas gehörte ursprünglich zum spätbarocken Hochaltar. Ikonographisch bemerkenswert ist nicht nur der Hinweis auf das Doppelpatrozinium der Kirche, was durch die Wiedergabe von Maria und dem hl. Leonhard zum Ausdruck gebracht wird, sondern in der Gestaltung Marias ist auch eine Paraphrase auf das 1611 von Giovanni Pietro de Pomis (1569-1633) gemalte Mariahilf-Gnadenbild in der Grazer Mariahilf-Kirche zu sehen. Die moderne Einrichtung, der Altartisch, der Tabernakel und das Lesepult, geht auf Entwürfe von Karl Lebwohl zurück. Das Bronze-Kruzifix stammt von Alexander Silveri (1910-1986).  

 

Sakristei

Die 1961-1962 errichtete neue Sakristei, die mit dem Erweiterungsbau durch einen gedeckten Gang verbunden ist, gewährt einen Durchlass für Prozessionen durch das Gotteshaus. Die zwei spätbarocken intarsierten Paramentenschränke (um 1770) gehören der einstigen barocken Sakristeiausstattung an.  

 

Kirch-Pfarrhof

Kirchhof

ansicht 9

Bereits 1468 wird von einem um die Kirche angelegten Friedhof, der 1659 vergrößert wurde, berichtet. Im Bereich der Begräbnisstätte befand sich ehemals eine 1625 erbaute Michaelskapelle mit einem 1639 errichteten Altar sowie eine 1716 genannte, an der straßenseitigen Mauer gelegene Johannes-Kapelle (1807 abgetragen). Der Kirchhof hatte wie auch heute eine Ziegelmauer als Einfriedung. Pfarrer Aloysius Borzaga veranlasste 1757 die Errichtung der repräsentativen Toranlage, die aus stilistischen Kriterien Josef Hueber (1715/1716-1787) zuzuschreiben ist. Die auf den Torpfeilern postierten und gleichzeitig entstandenen Sandsteinskulpturen der Apostelfü­sten Petrus und Paulus sind dem Grazer Bildhauer Matthias Leitner (+ 1763) zuzuweisen. Mit der Eröffnung des neuen Friedhofs im Jahre 1817 hörten die Beerdigungen im Kirchhofsbereich auf, erst 1871 erfolgte die Planierung dieses Friedhofterrains.

Der um 1750 geschaffene Kruzifixus am Kirchplatz wurde 1767 von Veit Königer restauriert. Vom selben Bildhauer stammt die vor dem Kreuz postierte Sandsteinfigur der Mater dolorosa, gleichfalls eine Stiftung Pfarrer Borzagas, am Sockel bezeichnet und datiert „I(oannes) A(loysius) B (Borzaga) P(arochus) 1763". Der die Brust Marias durchbohrende Degen soll ursprünglich von einem 1809 verwundeten und im „Schulhaus" gesund gepflegten französischen Offizier stammen, der seinen Degen als Dankbarkeit für seine Genesung gegen den ursprünglich hölzernen ausgetauscht hat.  

 

Pfarrhof

Der unmittelbar neben der Kirche gelegene Pfarrhof befand sich bereits im 17. Jahrhundert an dieser Stelle. Bauliche Veränderungen wurden in den Jahren 1695, 1718 und 1756 vorgenommen. Im Jahr 1897 erfolgten nach Plänen des Stadtmaurermeisters Daniel Scheer Umbauarbeiten, wie der Einbau eines Stiegenaufgangs, Zubau einer Achse im Osten und Neufassadierung in klassizistischen Stilformen. Der achtachsige, zweigeschossige Baukörper mit einem Schopfwalmgiebeldach weist im Erdgeschoss mehrere barocke Kreuzgratgewölbe und im Stiegenaufgang einen schmiedeeisernen Gitterflügel (um 1770) auf. Die Fenster der Südwestecke enthalten klassizistische schmiedeeiserne Gitter (um 1800). Eine bemerkenswerte, Marx Schokotnigg zuzuschreibende und um 1715/1720 zu datierende Schnitzfigur des auferstandenen Christus wird im Pfarrhof verwahrt.

Das mit dem Pfarrhof durch einen Zubau verbundene und die Südwestecke des Kirchhofs abschließende zweigeschossige „SeydIer-Haus" (Leonhardplatz 13), das ehemals als Schul- und Mesnerhaus gedient hat, wurde 1661 erbaut, 1750 um ein Geschoss erhöht und um 1870 zu einem Wohnhaus adaptiert. Hier wirkte als Schulmeister Ludwig Carl Seydler (1810-1888), der Komponist des „Dachsteinliedes" (1864). Eine Gedenktafel mit einem Portraitrelief des Tondichters, das der Grazer Bildhauer Hans Brandstetter (1854-1925) 1891 gefertigt hat, befindet sich an der Fassadenfront.

Das südöstlich des Pfarrhofs gelegene Pfarrzentrum (Pfarrheim) wurde unter Pfarrer Franz Fink nach Plänen des Grazer Architekten Eugen Gross unter Einbeziehung des 1897 erbauten Wirtschaftsgebäudes 1990 errichtet. Im Pastoralraum befindet sich ein ikonographisch bemerkenswertes spätbarockes Ölgemälde (um 1760/1770), das Darstellungen des hl. Isidor von Madrid und seiner Ehefrau, der sei. Maria Toribia (mit der Sichel in der Art der sonst häufig als weitere „Bauernpatronin" neben dem hl. Isidor gezeigten hl. Notburga) sowie legendenhafte Ereignisse aus ihren Leben zeigt. Südlich des Pfarrzentrums wurde 1998 ein Bildstock mit den Sandsteinreliefs der Halbfiguren von Christus und von drei Evangelisten aufgestellt; die Reliefs gehörten ursprünglich zu der von Jakob Gschiel geschaffenen bildhauerischen Ausstattung der neogotischen Kanzel (1902).  

Friedhof

 

St.-Leonhard-Friedhof

friedhofzuallerheiligenDer neue Friedhof wurde 1817 (AI) angelegt; Vergrößerungen erfolgten 1849(AII), 1864/1878 (B) und 1962 (C). Die Aufbahrungshalle wurde 1977 unter Pfarrer Anton Lambauer nach Plänen von Karl Lebwohl erbaut. Das im östlichen Bereich (A I) errichtete „Friedhofskreuz" mit einem Eichenholz-Corpus (2000 restauriert) und die davor postierte Skulptur der Mater dolorosa aus Sandstein schuf 1878 Jakob Gschiel. Der St.-Leonhard-Friedhof war seit der Eröffnung eine gesuchte Begräbnisstätte bedeutender österreichischer Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kunst. Davon zeugen u. a. die Grabdenkmäler für Feldzeugmeister Ludwig von Benedek (1804-1881), k. k. Vize-Admiral Wilhelm von Tegetthoff (1827-1871), Moritz Ritter von Franck (1814-1895, Schöpfer des Grazer Stadtparks), August Musger (1868-1929, Erfinder der Zeitlupe), Richard Krafft-Ebing (1840-1907, Professor für Psychiatrie), Jakob Lorber (1800-1864, theosophischer Schriftsteller), Viktor Geramb (1884-1958, Begründer des steirischen Volkskundemuseums), für die Dichter Robert Hamerling (1830-1889) und Bruno Ertler (1889-1927), für den Komponi­sten des „Dachsteinliedes" Ludwig Carl Seydler (1810-1888), für die Bildhauer Gustinus Ambrosi (1893-1975), Wilhelm Gösser (1881-1966), Fritz Hartlauer (1919-1988) sowie für die Maler Adolf Brunnlechner (1863-1960), Emil Edmund (1889-1953) und Rene (1922-1988) Gerstenberger, Reno Ernst Jungel (1893-1982), Viktor Mytteis (1874-1936), Daniel Pauluzzi (1866-1956), Leo Scheu (1886-1958), Oscar Stolberg (1882-1967) und Rudolf Szyszkowitz (1905-1976). Durch die spätklassizistischen Grabmäler der Biedermeierzeit (Viktoria Edle von Hellin, + 1834; Auguste Reichsgräfin von Herberstein, +1845) sowie die in Stilformen der Neogotik und Neorenaissance errichteten Stelen-und Wandgräber, die zum Teil eine bemerkenswerte bildhauerische Ausstattung besitzen, erhält der Friedhof sein charakteristisches Aussehen und seine kunstgeschichtliche Bedeutung. Skulpturen- bzw. Reliefschmuck von Hans Brandstetter zeigen die Grabdenkmäler für Robert Hamerling (1902), Carl Bielohlawek (1901), Familie Rokitansky (1899), Hilde Jentsch (1891), Karl Freiherr von Savenau.

Von August Rantz (geb. 1872) stammen die prokeschGrabkapelle von Theophil Hansen für Anton Graf Prokesch-Osten