Informationen für die Anschaffung
einer neuen Orgel in St. Leonhard

Seit dem Beschluss des letzten PGR, dass die bestehende Orgel nicht mehr renoviert wird, steht fest, dass wir eine Entscheidung für eine neue Orgel treffen müssen. Seit mehreren Jahren sind vier Personen der Pfarre beauftragt, Informationen für eine neue Orgel und die damit verbundenen Konsequenzen einzuholen.

Mir ist wichtig, dass sich an dem nun folgenden Entscheidungsprozess möglichst viele von Ihnen beteiligen. Die folgenden Informationen unserer vier Orgelbeauftragten können dafür eine gute Diskussionsgrundlage sein.                                        

Pfarrer Hans Schrei

 

Versuch einer Theologie der Orgel

Das Folgende ist ein kleiner Versuch, die Denkebene zu wechseln. Unsere Liturgie ist als gesungene Liturgie entstanden und seit mehr als 1000 Jahren bedient man sich der Unterstützung durch die Orgel. In der Weihnachtszeit hörten wir den Prolog des Johannesevangeliums. Aus ihm leiten sich die Vernünftigkeit und die Verstehbarkeit kirchlicher Liturgie ab und stellt das Grundgesetzt der liturgischen Musik. Das „Wort“ wird Fleisch und zieht durch Kreuz und Auferstehung das Fleisch, d. h. den Menschen in die Ewigkeit Gottes hinein. Diese Doppelbewegung – Fleischwerdung des Wortes, Wortwerdung des Fleisches – feiern wir in der Liturgie und liturgische Musik muß sie widerspiegeln: Musikwerdung, Versinnlichung des Glaubens – Glaubenswerdung des Gesungenen. Die Orgel ist seit über 1000 Jahren das Symbol dieses Vorganges. Holz und Metall werden Ton und der Ton wird Glauben durch das Singen. Somit ist sie ein Verkündigungsinstrument wie Altar, Ambo, Tabernakel, Taufbecken und mit gleicher künstlerischer Sorgfalt zu behandeln. Ein elektronisch-digitales Surrogat entspräche einem Campingtisch als Altar. Der finanzielle Aufwand ist klar, nur die Schönheit des Hauses Gottes und die Sorge um die Armen sollte man nicht gegeneinander ausspielen. Das Ausgießen des teuren Salböls verteidigte Jesus. Nach Ambrosius und Gregor dem Großen brauchen Menschen Brot und Lieder. Dostojewskij meint im Roman „Der Idiot“: „Schönheit wird die Welt erlösen.“    

Mag. Norbert Kreinz

orgel ganz

 

Ausgangspunkte für unsere Überlegungen für eine mechanische Orgel:

1) die derzeitige Orgel ist in so schlechtem Zustand, dass sie schon das letzte Mal (entsprechend vorliegender Gutachten) nicht mehr restauriert hätte werden sollen,
2) der Organist hat den ausdrücklichen Wunsch geäußert, näher beim größeren Teil der Gemeinde zu sein, um die Liturgiefeiern besser begleiten zu können; an seiner derzeitigen Position im Kirchenraum ist dies aus akustischen Gründen nicht möglich;
3) die anzuschaffende Orgel sollte nur für die Liturgie, nicht für Konzerte dimensioniert sein
Kostenvoranschlag für eine Chororgel mit 15 Registern (= ca. 950 verschiedene Pfeifen):
Kosten 177.480,00 – 237.600,00 € (bzw. 254.400,00 bei Spieltischvariante)

Die Wartungskosten der Pfeifenorgel betragen während der Garantiezeit (10 Jahre) € 380 bis ca. € 1200 pro Jahr.

Laut Gutachten der Diözesanen Liturgiekommission ist der Altarraum bei jeder Variante neu und unterschiedlich zu adaptieren. Die vorgeschlagenen Lautsprecher bei der elektronischen Orgel würden einen Platzbedarf  von etwa 1 - 2 qm/Seite beanspruchen…
Meines Erachtens sollte eine Gesamtplanung durch Fachleute (inkl. Akustiker etc.) durchgeführt werden, damit nicht nach relativ kurzer Zeit wieder etwas geändert werden muss. Diese Gesamtplanung sollte alle Aspekte einschließen: neue Orgel, was soll mit dem Orgelgehäuse geschehen, das lt. BDA erhalten werden muss? Als Attrappe stehen bleiben?
Heizung, Altarraumadaptierung (die lt. Liturgiekommission auch unabhängig von einer Orgel auf jeden Fall überlegt werden sollte).
Wenn dies nicht erfolgt, könnte sich jede Variante als zu teuer bzw. letztendlich sinnlos herausstellen….                                        

Dr. Johann Deutsch

 

Die digitale, sakrale Orgel der Firma Allen oder Rodgers

Eine digitale Orgel mit 38 bis 61 klingenden Registern kostet einschließlich Lautsprecheranlage von ca. €55.000,- bis ca. €85.000,- brutto und entspricht einer vollwertigen Pfeifenorgel zu einem Preis von mindestens €600.000,- brutto. Es gibt erfahrungsgemäß kaum Wartungsarbeiten und deshalb gibt es keine Wartungsverträge. Für die Lieferung von Ersatzteilen gibt es eine Garantie von mindestens 40 Jahren. Die Lieferzeit beträgt nur 3-4 Monate. Die Lautsprecheranlage wird in die östliche Altarwand eingebaut und ist durch eine künstlerisch gestaltete, textile Bespannung nicht sichtbar. Auf der westlichen Orgel-Empore wird ein Fernwerk aufgestellt. Dadurch kommt es zu einer guten Beschallung des gesamten Kirchenraumes. Der Aufstellungsort für den Spieltisch ist nicht an einen speziellen Platz in der Kirche gebunden. Es kann unter verschiedenen Stimmungen gewählt werden. Die Intonation der Register kann jederzeit geändert werden. Außer den klingenden Registern gibt es noch eine große Auswahl an zusätzlichen Registern. Jeder Organist kann seine Registrierungen auf einem USB-Stick speichern. Wenn unser Organist nicht da ist, kann die Liederbegleitung vorher aufgenommen und dann beim Gottesdienst abgespielt werden. Die Orgel hat immer die richtige Tonhöhe und muss deshalb nicht gestimmt werden. Die Orgel kann je nach Anzahl der Kirchenbesucher laut oder leise gespielt werden. Unser Heizungssystem, eine Luftheizung, muss nicht geändert werden, da die Orgel gegenüber Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen unempfindlich ist. Der Altarraum muss nicht umgestaltet werden, da ein Orgelgehäuse nicht vorhanden ist.

DI Dr. Wolfgang Pölzl

Räumliche, technische und künstlerische Konsequenzen einer neuen Chororgel

In unmittelbarem Zusammenhang mit der Auswahl eines neuen Instrumentes stellt sich die Grundsatzfrage, ob wir ein, aus der historischen Entwicklung hergeleitetes Klangkunstwerk - eine Pfeifenorgel (nicht allzu großen Tonumfanges) - oder ein, dem heutigen technischen Stand der Digitaltechnik entsprechendes vielseitiges Gerät haben bzw. uns leisten wollen.

Damit unmittelbar verbunden sind die liturgischen, räumlichen und künstlerischen Gestaltungsfragen zu beachten, die ganz unterschiedliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Diese sind bei beiden Lösungen zwar in verschiedener Art und verschiedenem Umfang, aber in jedem Fall künstlerisch überzeugend zu beantworten.

Einmal betrifft dies die Form des Kirchenraumes und den derzeitigen Zustand der liturgischen Zone (Altar, Ambo, Tabernakel, Sessio und Altarrückwand), andererseits die technischen Fragen der Akustik wie Schallausbreitung, Schallstärke, Einflüsse durch verschiedenste Besucherzahlen sowie der rasch und wesentlich sich ändernden Raumtemperaturen, nicht zuletzt der musikalische Eindruck der unterschiedlichen Technik zur Schallerzeugung beider Instrumententypen auf die Zuhörer bzw. Mitsingenden.

Außerdem ergibt sich die Frage des Platzbedarfes für Orgelgehäuse, Spieltisch, Chor und Orchester: Hier ein relativ voluminöses Orgelgehäuse (ca. 3,00/1,50/6.00-8,00m) mit fixierter Spieltischpositionierung (Organist im direktem Blickkontakt mit der feiernden Gemeinde oder nicht), dort den akustischen Erfordernissen entsprechende Anzahl und Größe von 6 bis 12 Stück zu verkleidenden Lautsprechern (max. 50/50/90cm) und ein beliebig und flexibel positionierbarer Spieltisch.

Letztlich muss bei einer Chororgel im vorderen Teil unserer Kirche - welcher Art auch immer

- jedenfalls auch der Standort aller liturgischen Orte und die Neugestaltung der Wandflächen im gesamten Altarraum sorgfältig und einfühlsam studiert und gelöst werden, wozu phantasievolle Architekten und Künstler in Zusammenarbeit mit den Orgelbauern eingeschaltet werden sollen.