23. Februar 2014

Abendlob

Lesejahr A

7. Sonntag im Jahreskreis

Gottesdienstleitung:

Helene Loidolt

Begrüßung/Kreuzzeichen/Anfangsgebet

Am Abend von der brennenden Osterkerze erwartet werden, zeigt uns, dass es in jedem Augenblick möglich ist, uns auf die Seite des Lebens und des Lichtes zu stellen, weil Gott für uns da ist, vor unserer Leistung, vor unseren guten Werken. Im Namen des lebendigen Gottes wollen wir beginnen. +++
Gebet: Guter Gott, in deinem Sohn ist uns deine Liebe erschienen. Seine Hingabe ist für uns Leben und Heil. In seinem Geist stärke unsere Liebe zu dir und zueinander und schenke Auferstehung mitten in Unfrieden und Not. Darum bitten wir, durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder.  

Lied:             Manchmal feiern wir mitten am Tag        Segen, 269

Besinnung:         Geschichte – Der Wolf von Gubbio

Franziskus und der Wolf von Gubbio

In der Stadt Gubbio tauchte ein Wolf auf von schreckhafter Größe und grimmiger Wildheit. Er verschlang nicht nur Tiere, sondern auch Menschen und versetzte alle in große Angst. Als Bruder Franz in die Stadt kam, warnten sie ihn vor dem Wolf. Da bekam Franz Mitleid mit den Leuten und er beschloss, hinauszugehen und mit dem Wolf zu sprechen. Alle rieten ihm ab. Er aber schlug das Zeichen des Kreuzes über sich und ging dem Wolf entgegen. Der sah ihn kommen und rannte mit offenem Rachen auf ihn zu, bis Franz ihn ansprach: „Komm her, Bruder Wolf, und tue niemand etwas zuleide!“ Er machte auch über ihn ein Kreuzzeichen, und der Wolf wurde ganz sanft und legte sich wie ein Lamm zu seinen Füßen.
Jetzt redete Franz eindringlich mit seinem Bruder Wolf. Und dann sagte er: „Ich will Frieden stiften zwischen dir und ihnen. Du sollst ihnen kein Leid zufügen, und sie sollen dir alles Böse verzeihen.“ Und Franz versprach, der Wolf solle, solange er lebe, von den Bürgern der Stadt Nahrung erhalten, denn so sagte Franz, ich weiß sehr wohl, du tust alles Schlimme nur vom Hunger getrieben. Nun verlangte Franz von dem Wolf ein deutliches Zeichen der Zustimmung zu diesem Vertrag. Da hob der Wolf seine rechte Tatze und legte sie sanft in die Hand des heiligen Franz. - Die Bürger von Gubbio hatten das alles von weitem gesehen und staunten über dieses Wunder.
Nun führte Franz den Wolf in die Stadt und redete den Leuten von Gubbio gut zu. Auch sie sollten versprechen, dem Wolf nichts Böses zu tun und ihm jeden Tag zu geben, was er brauche. - Danach lebte der Wolf noch einige Jahre in Gubbio. Ganz zahm ging er von Haus zu Haus, und die Leute fütterten ihn freundlich. Als der Wolf schließlich starb, trauerten die Menschen von Gubbio um ihn. Denn mit ihm war ein Zeichen der Lebensart, der Gesinnung des heiligen Franz gegangen.
Gekürzte Nacherzählung von Franz W. Niehl

 


Manchmal gehöre ich zu den Angstmachern.
Die Enge nimmt mir den Atem und ich schlag um mich.
Dann  brauch ich jemanden, der mich anspricht
und mich aus meinen Zwängen herausführt.

                                    Liedruf: Segen, 616

Manchmal gehöre ich zu denen, die nie genug haben können.
Und im Kampf um den Sieg entsteht Unrecht.
Dann brauch ich jemanden, der hinter meine Fassade schauen kann
Und das Unrecht beim Namen nennt.

                                    Liedruf  

Manchmal gehör ich zu denen, die dem Leben feind sind.
Erstarrung macht sich breit.
Dann brauch ich jemanden, der mich mit Leben ansteckt
Und neue Wege möglich macht.

                                    Liedruf

1. Lesung

Lev 19, 1-2.17-18
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst
Lesung aus dem Buch Levitikus
Der Herr sprach zu Mose: Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten, und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.
Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden. An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten Lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.

Lied:            Höre, Israel                     Segen, 75

Überleitung zur 2. Lesung    
Leibübung mit Text von Kurt Marti

Bevor wir die ersten Verse der zweiten Lesung hören, können wir uns darauf vorbereiten. Wir vergessen ja manchmal, dass wir in der Kirche ganz leibhaftig da sind, mit unseren Händen Füßen, mit Lunge und Herz, mit Haut und Haar. Der Atem belebt uns. Versuchen –dem Atmen nachspüren und dem Herzklopfen. Den Puls ertasten, an der Hand, noch deutlicher an der Halsschlagader. Kurt Marti sagt
GROSSER  GOTT  KLEIN    
uns näher    als Haut    oder Halsschlagader
kleiner als    Herzmuskel    Zwerchfell     oft:    zu nahe        zu klein –
wozu    dich suchen?    wir:    deine Verstecke

Wir mit unserem Körper, mit dem lebendigen Leib Gottes Verstecke? In der Lesung an die Korinther sagt Paulus:

2. Lesung  (evt. gekkürzt)
1 Kor 3, 16-23
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

Lied:            Atme in mir Heiliger Geist            Segen, 118
Halleluja:                                Segen, 185

Evangelium

Mt 5, 38-48
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde!
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.
Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.
41Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne und Töchter eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Geschwister grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?

Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

(Evangeliumstext ausgeteilt – wiederholen eines Wortes, Satzes, das/der in mir etwas zum Klingen bringt, eine Frage, eine Sehnsucht, eine Irritation –  Botschaft näher an uns heranholen, heranlassen)

Predigtgedanken:

Jesus ist ein guter Pädagoge. Aus der Lernpsychologie wissen wir, dass Neues nur dann Eingang findet, wenn die Lernenden die Möglichkeit haben, mit dem Neuen an bereits Bekanntes anzudocken. Jesus und die mit denen er redet, wissen um das, was bis jetzt gegolten hat – wir haben es auch in der 1. Lesung gehört – den Nächsten lieben, den Feind hassen – die Nächsten, das waren die Familiengehörigen und Volksangehörigen.
Jesus wiederholt das Bekannte und baut darauf den neuen Weg auf, der mit ihm in die Welt gekommen ist. Ich aber sage euch, (nicht es wäre ganz gut, oder vielleicht sollte man probieren) ganz klar zeichnet er den neuen Weg. Die Botschaft vom Reich Gottes bleibt nicht beim Nächsten stehen, schließt alle Völker ein und ist ganz und gar nicht harmlos. Nicht so wie Nietzsche das jüdisch-christliche Denken über Feindesliebe einmal kritisierte als „rachsüchtige List der Ohnmacht“ von Unterdrückten, die meinen, wir Schwachen sind nun einmal schwach; es ist gut, wenn wir nichts tun, wozu wir nicht stark genug sind.  
Die Feinde lieben, weil wir nicht stark genug sind, sie zu besiegen – das kann wohl nicht gemeint sein mit der neuen Gesinnung, die im Reich Gottes herrschen soll.
Und Aug um Aug - heute „Gleichgewicht des Schreckens“ - so wie du mir, so ich dir, ist auch kein kreativer Zugang. Auch dadurch kommt nichts Neues in die Welt, nichts was Feindschaft wandeln könnte. Die andere Wange hinhalten, mit dem Feind mitgehen, für die beten, die verfolgen das sind gewaltlose Widerstandskräfte, die verhindern können, dass sich Gewalt und Hass vermehren. Und das hat überhaupt nichts mit Schwäche zu tun, im Gegenteil es braucht Mut und Rückgrat, einen aufrechten Gang, Entscheidung, die auch Leidensmöglichkeit miteinschließt und den festen Glauben, dass Gott da ist wie die Sonne, die aufgeht über Gut und Böse, über Gerechte und Ungerechte.

Wer sind meine Feinde – vielleicht geht es ihnen so wie mir, dass sie auf die Schnelle denken – gut, dass ich keine habe. Natürlich gehen mir ab und zu Menschen auf die Nerven, aber als Feinde würde ich sie nicht bezeichnen. Ich ermutige, genau hinzuschauen.
Womöglich gibt es in vielen Menschen Feindbilder, die sich aufgebaut haben aufgrund von Erfahrungen, von Entbehrungen. Vermutlich haben wir alle in uns Anteile, die wir gar nicht mögen, die wir verdrängen und unterdrücken. Und je mehr wir gegen die inneren Feinde ankämpfen, umso stärker wird die Gegnerschaft, umso mehr Kraft wird gebunden. Die Psychologie spricht da vom Schatten. So gesehen ist der Wolf von Gubbio nicht nur außerhalb, sondern auch in uns – hungrig und grimmig. Feindesliebe würde hier bedeuten, nachfragen, was diese Anteile brauchen, und sich aussöhnen. Dann geschieht Menschwerdung – und wieder ist das nicht ein Zeichen der Schwäche, sondern des Mutes, Mut zur Selbstbegegnung, bewusst hinzuschauen, die Feindbilder nicht zu ignorieren, in Liebe mit ihnen zu gehen bis sie sich wandeln.

Ich weiß nicht, ob Jesus damals an die inneren Feindbilder gedacht, wenn er da am Berg die Leute seiner Zeit vor sich gehabt hat. In dieser großen Rede trägt Matthäus viele Aspekte zusammen, wie Jesus die Menschen lehrt, dass ihr Leben gelingen kann. Er zeigt ihnen einen neuen Weg, einen Weg, der nicht dem Konflikt ausweicht, der nicht im aggressiven Zurückschlagen besteht, einen Weg, der Gewaltunterbrechung möglich macht. Feindesliebe ist nicht ein moralisches Gesetz, oder Gebot – Feindesliebe ist eine Gesinnung. Und vermutlich denken sie jetzt, dass dieses neue Verhalten ordentlich überfordert. Ja, Feindesliebe überfordert, Feindesliebe ist unmöglich, wenn ich sie als Leistung von mir verlange, wenn ich sie sozusagen machen, produzieren will.  Doch da ist etwas, das uns zu dieser Haltung befähigt, die Erfahrung, dass uns selber unverdient die Liebe treffen kann und da komme ich auf die 2. Lesung in der von der Zusage, die Verheißung die Rede ist, dass Gott in uns – in allen Menschen wohnt. Wisst ihr nicht, dass ihr ein Tempel Gottes, eine Wohnung für die Geistkraft Gottes seid. Nicht erarbeitet – unverdient und unbedingt von Gott bewohnt.  Diese Geistkraft Gottes in uns, diese Liebeskraft lässt uns immer neu mitbauen am Reich Gottes – jetzt schon.  Albert Schweitzer nennt die Feindesliebe eine Kraft. Diese Kraft macht keinen Lärm. Sie ist da und wirkt.

Instrumentalmusik

Friedensgruß:

Die Geistkraft Gott es in uns macht es immer wieder möglich, Frieden zu schließen mit den eigenen Feindbildern und sich mit Ehrfurcht dem Nächsten zuzuwenden, weil auch ihn ihm diese Liebeskraft Gottes wohnt.


Vater Unser:  gemeinsam Beten

Segensgebet:

Und so sollen im Namen des Friedens, der aus Gott ist, gesegnet sein
die Völker aller Rassen, die Menschen aller Länder.
Es sollen gesegnet sein Himmel und Erde, Wolf und Lamm, Falke und Taube.
Es sollen gesegnet sein Freund und Feind, damit sie Brüder werden und Schwestern.
Es sollen gesegnet sein Schwarze und Weiße, Menschen aus Ost und West,
damit sie Frieden schließen und Freundschaft, ein für allemal.
Es sollen gesegnet sein Juden und Christen, Moslems und Hindus,
Heiden und Sektierer, damit sie eins werden in Gott.
Es sollen gesegnet sein die Unwissenden und die Weisen
Und die Weisheit Gottes rühmen.
Gesegnet sind wir und Segen wollen wir sein
für die bedrohte Welt und die Menschen dieser Erde.
Gottes Geistkraft ist mit uns und mit allen Menschen. Amen.
Nach Jörg Zink und Hans-Jürgen Hufeisen


Lied:                                Ihr sollt ein Segen sein                    Segen, 579